„Theodor Pröppers Schöpferkraft ins rechte Licht rücken!“

Festakt für den vielseitigen Künstler mit Bodenhaftung

 

Rudolf Rath 

 

Zu einem „geschichtsträchtigen Abend“, begrüßte der Balver Bürgermeister Hubertus Mühling viele Gäste in der Pfarrkirche St. Blasius, unter ihnen auch Landrat Thomas Gemke, Vorsitzender des Heimatbundes Märkischer Kreis, sowie Kunigunde Pröpper mit weiteren Angehörigen der Familie Pröpper. Vor der Kulisse romanischer Wandmalereien wies er zur Eröffnung des Festaktes anlässlich des 40. Todesjahres von Theodor Pröpper darauf hin, dass das Andenken an den Ehrenbürger nicht nur in der Stadt gepflegt, sondern auch weit über den heimischen Raum hinaus bewahrt werde. Dies zeige auch die Teilnahme einer großen Anzahl von Gästen aus dem Sauerland. Angereist waren auch Msgr. Bernhard Schröder, Präses des Cäcilienverbandes des Erzbistums Paderborn, Michael Pavlicic vom Westfälischen Heimatbund, Vorsitzender des Verwaltungsrates und Mitglied des Vorstandes, sowie Elmar Reuter, Vorsitzender des Sauerländer Heimatbund. Bürgermeister Mühling zeigte sich erfreut, dass diese Herren als hochrangige Repräsentanten ihrer Verbände der Einladung gefolgt seien. Balve könne, so der Repräsentant der Stadt, stolz sein auf den bedeutenden Musiker, Heimatschriftsteller und engagierten Kommunalpolitiker Theodor Pröpper. Bereits im Jahre 1961 sei er deshalb mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt ausgezeichnet worden. Sein „Balver Lied“ sei auch heute noch und immer wieder bei vielen Anlässen in aller Munde.  

 

Das überzeitliche Erbe Pröppers

„Theodor Pröpper war ein kultureller Allrounder, aber auch engagierter Verteidiger seiner Heimatstadt und seiner Region“, erinnerte der Festredner Dr. Wolf Kalipp, Soest, Musikwissenschaftler, ehemaliger Hochschullehrer und Orgelexperte, an das Wirken Pröppers. Sein ausgezeichneter Vortrag1, Thema „Das literarische Erbe Theodor Pröppers – Organist-Komponist-Literat-Heimatforscher“, fand bei diesem Festakt am 12. Oktober 2019 besondere Beachtung. Er sehe sich mit Pröpper in einem „Gleichklang in den Bereichen Musik, Literatur, Dichtung und westfälischer Heimatgeschichte. Seine „umfassende Schöpferkraft …ins rechte Licht zu rücken“ sei eine dauerhaft wichtige Aufgabe. So werde Pröpper, nach dem Festakt im Jahre 2011 anlässlich Übernahme seines Nachlasses durch das Pfarrarchiv St. Blasius und zweier Hommagen 2014 und 2015 nun ein weiteres Mal angemessen gewürdigt. In seinem Referat zitierte Wolf Kalipp einige plattdeutsche Texte aus der Feder Pröppers und stellte seine Arbeiten überzeugend in einen größeren literaturwissenschaftlichen Zusammenhang. Aber, so der Referent: „Grundlage seines Wirkens für die Gesellschaft war ihm sinngemäß das Kirchenlied. Pröppers Religiosität bewegt mich stets aufs Neue, wenn ich mit seinen Werken in Berührung komme.“ Und: „Theodor Pröpper hat seine tiefe Heimatliebe immer wieder in einer Vielzahl von wunderbaren Liedern zum Ausdruck gebracht, die er im ‚Klingemund – Ein Sauerländisches Liederbuch‘2 1960 veröffentlichte.“ Bereits in der „Sauerland-Ausgabe 3/20193 hatte Wolf Kalipp ausführlich das Leben und Wirken Pröppers als Autor und Komponist, dessen Werkverzeichnis mit Musik und Schrifttum 244 Titel umfasse, aber auch die vielfachen Ehrungen dargestellt. Abschließend appellierte er „an die Balver, die Hönnetaler und Sauerländer: Sichern Sie sich das überzeitliche Vermächtnis Pröppers, eingebettet in neue Kontexte und in der Sprache unserer Zeit, nicht in heimattümelnden Anachronismen, sondern in klarem Blick auf das Jetzt, in neuer didaktischer Aufbereitung, in regelmäßigen Veranstaltungen in Schule, Volkshochschule, Kirche, Kirchenmusik, Musikverein, Heimatbund, in Lesungen, Konzerten, Workshops, vielleicht in einem jetzt zu gründenden ‚Pröpper-Initiativkreis‘.“  Msgr. Bernhard Schröder sparte nicht mit Lob: „Der Festvortrag von Herrn Dr. Wolf Kalipp hat mich intensiv angesprochen und Theodor Pröpper anschaulich lebendig werden lassen einschließlich seiner Spiritualität und katholischen Glaubensüberzeugung. Hier zuzuhören war für mich eine wohltuende Labsal.“ 

 

Pröpper als Schöpfer vieler Lieder

Der romanische Gebäudeteil der Pfarrkirche St. Blasius bot einen würdigen Rahmen für das vielseitige Programm. Michael Bathe, leitender Mitarbeiter der Stadt Balve, Peter Glasmacher als Vorsitzender der Heimwacht Balve, Ludger Terbrüggen, Kirchenvorstand von St. Blasius, und Rudolf Rath, Archivpfleger St. Blasius, hatten zuvor die besten Voraussetzungen für eine angemessene Würdigung des Komponisten, Schriftstellers und Kommunalpolitikers geschaffen. Dabei erhielten sie große Unterstützung durch eine großen Anzahl von Helferinnen und Helfern sowie eine großzügige Spende der heimischen Sparkasse. Dass Pröpper als Liedschöpfer an diesem Abend nicht zu kurz kam, dafür sorgte Ludger Terbrüggen, Mitglied des Kirchenvorstandes St. Blasius. Souverän moderierte er den Programmablauf des Festaktes. Und er erinnerte an das Programm des Vorabends, das an gleicher Stelle stattgefunden hatte. Der Naturhistorische Verein Balve nämlich hatte einen Zyklus von Liedern4 Theodor Pröppers aus dem „Klingemund“ präsentiert mit Hermann Jedowski am Flügel und Christian Miebach, Tenor. In Fortsetzung dessen bereicherte beim Festakt der Männerchor 1874 Balve das gehaltvolle Progamm. Unter Leitung von Hubertus Schönauer intonierten die Sänger in großer Besetzung aus der „Plattdeutschen Messe“5 „Taum leßten Seägen“ Pröppers die Lieder „Boaven am Hiemelsrand“ und „Alle Zeit ist Gnade!“

 

Interpretationen und Improvisationen an der Orgel

Die Orgel in der Pfarrkirche St. Blasius hatte Theodor Pröpper während 55 Jahre virtuos und kraftvoll gespielt und viele Kompositionen geschaffen. Aber auch die zarten Töne und besinnlichen Weisen beherrschte er. Davon überzeugte Maximilian Wolf, jetziger Inhaber der Orgel-Leuchtturmstelle im Pastoralverbund Balve-Hönnetal, die aufmerksamen Gäste. Er interpretierte aus Pröppers Werken die Choralvorspiele „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Hoch preise meine Seele“ und fügte Improvisationen zum „Balver Lied“ an, das bei vielen, vor allem offiziellen Feiern in der Stadt gerne und kräftig gesungen wird. „Bodenständig und ganz nahe bei den Menschen seiner Heimat ist Theodor Pröpper bei all‘ seinem künstlerischen Schaffen immer geblieben“, stellte Ludger Terbrüggen fest. Und er zitierte dazu einige gesammelte Erinnerungen älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger, die er geschickt in seine Programmführung einbaute. So spielte unweigerlich die Zigarre eine immer große Rolle im Leben Pröppers, also auch dann, wenn er mit einem „viel zu großen Hut auf wallendem silbergrauen Haar und mit einem Stock spazieren ging.“ Zigarrenqualm erschwerte beim Klavierunterricht seinen Schülerinnen und Schülern sogar das Erkennen von Noten. Nur beim Orgelspiel wurde die Zigarre auf einem Stein vor der Pfarrkirche zwischengelagert, um nach der Messe weiterem Genuss zugeführt werden zu können. Und dies war nur eine der Kostproben aus Pröppers „Bodenhaftung“, aus seinem Alltag in Balve. Für eine andere Kostprobe, allerdings aus Prosawerken des Literaten Pröppers, sorgte Klaus Peter Sasse. Der engagierte Kulturschaffende aus Neuenrade stellte mit dem „Gratulationsjättchen“ beeindruckend und einfühlsam einen Auszug aus dem Buch „Menschen aus Talfeld“6 vor. So bekam auch die „humoristische Feder“ des Schriftstellers im Programm ihren besonderen Platz.

 

Nachlass Pröppers im Pfarrarchiv St. Blasius Balve

„Ich habe mich bei Ihnen in Balve rundum wohlgefühlt“, bedankte sich der Präses des Diözesan-Cäcilienverbandes im Erzbistum Paderborn, Msgr. Bernhard Schröder, später bei den Organisatoren. Er hatte vor dem Festakt die Vorabendmesse zelebriert, die musikalisch mitgestaltet worden war vom Männerchor 1874 Balve und Ludger Frizt an der Orgel. Er würdigte in diesem feierlichen Rahmen das Wirken des Kirchenmusikdirektors Pröpper, zu dem auch die Schaffung des Orgelbuches zum „Sursum corda“ gehörte. Es wurde ab 1950 diözesanweit an den Kirchenorgeln genutzt. Im Verband der Kirchenchöre war Pröpper ein großer Name. Mit seinen vielfältigen Kontakten und seinem großen Engagement, so der Diözesanpräses, habe er über Jahrzehnte maßgebend zur Gestaltung der Kirchenmusik beigetragen. 

Das literarische Erbe Pröppers wird seit rund 10 Jahren im Pfarrarchiv St. Blasius Balve betreut. Von Archivpfleger Rudolf Rath kam, so betonte der Moderator Ludger Terbrüggen anerkennend, auch die Initiative zu dieser weiteren Hommage. Das war für diesen das Stichwort: Zum Abschluss des Festaktes übergab Rath Diözesanpräses Msgr. Bernhard Schröder für den Cäcilienverband Schriftgut aus den Jahren 1914 bis 1978. Weitere Dokumente aus dem Nachlass Pröppers erhielten auch der Westfälische Heimatbund und  - nach dem Festakt von 20117 -  erneut der Sauerländer Heimatbund. Für Elmar Reuter, Vorsitzender des SHB, sind es vor allem Dokumente über die intensive Zusammenarbeit Pröppers mit dem Gründer des Sauerländer Heimatbundes, Franz Hoffmann. Pröpper würdigte das Leben und Wirken seines Freundes Franz Hoffmeister in einem Buch8. Rudolf Rath: „Das Schriftgut stellt unser Pfarrarchiv St. Blasius   - mit Einverständnis von Pröppers Tochter Kunigunde  -  den Archiven dieser Verbände zur Verfügung. Es dokumentiert lange Zeiträume ihrer erfreulichen Entwicklung, an denen Theodor Pröpper wesentlich beteiligt war.“ Bereits zu diesem Zeitpunkt stand für Msgr. Bernhard Schröders fest: „Diese Feierstunde hat Theodor Pröpper wunderbar gewürdigt und in festlicher Weise seine Bedeutung für Balve und weit darüber hinaus kundgetan.“

Elmar Reuter überraschte die örtliche Heimwacht mit dem Angebot, den Sauerländer Heimattag 2021 in Balve durchzuführen. Eine Offerte, die man wohl kaum ablehnen kann im Jubiläumsjahr, 100 Jahre nach ihrer Gründung des Ortsverbandes durch Theodor Pröpper. Frohgestimmt bildete sein „Balver Lied“ den Abschluss dieses würdigen Festaktes.  

 

 

Anmerkungen

 

1 Dieser Vortrag ist als Manuskript beim Pfarrarchiv St. Blasius Balve vorhanden; 

 

2 „Klingemund. Ein Sauerländisches Liederbuch“. Balve 1960

 

3 Dr. Wolf Kalipp „40-jähriges Gedenken an Theodor Pröpper (1979 – 2019)“ 

  SHB Zeitschrift Sauerland, Ausgabe 3/2019;

 

4 Lieder dieser Interpreten wurden auf einer Doppel-CD aufgenommen, beim Veranstalter 

  bzw. im Pfarrarchiv St. Blasius Balve vorhanden. 

 

5 Rudolf Rath „Original entdeckt. ‚Plattduitske Misse föär't Siuerlänske Volk‘" 

  SHB Zeitschrift Sauerland, Ausgabe 2/2014

 

6 Weitere humorvolle Erzählungen in „Menschen aus Talfeld“. Balve 1959.

 

7 Rudolf Rath „Theodor Pröpper – ein kraftvoller Motor für Glaube und Heimat“. 

  Festveranstaltung 2011. SHB-Zeitschrift Sauerland, Ausgabe 1/2012; 

 

 8 Buch Franz Hoffmeister, der Wächter sauerländischen Volkstums. Leben und Werk. 

   Ein Buch der Heimat“, Paderborn 1949.

 

 

© Rudolf Rath, Balve 2019

 

Dieser Bericht wurde in der Zeitschrift Heft „Sauerland“, Heft 2/2020, Hg. Sauerländer Heimatbund, mit mehreren Fotos veröffentlicht.