Die Lucia-Kapelle in Altenaffeln ist einschiffig und mit rundem Chorschluß errichtet. Sie hat einen Dachreiter und Rundbogenfenster. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie 1947 mit einem Anbau nach Westen hin erweitert und mit einer Orgelbühne versehen.


Blick in den Altarraum

Der Bau ist vermutlich im 13. Jh. entstanden, obwohl der älteste nachweisbare Befund erst in das 15. Jh. weist. Aus dieser Zeit stammen die Chorfresken im Innern, die 1925 entdeckt worden sind. Sie zeigen einen Apostelfries links und rechts von einer Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes. Es sind dreizehn Apostel, weil außer Matthias, der als Ersatz für Judas Iskariot gewählt worden war, noch Paulus hinzugefügt worden ist. Fünf Apostelfiguren sind lt. Beischrift 1926 vom Restaurator Soetebier aus Münster neu gemalt worden. Die Anordnung der Apostel zu beiden Seiten der Kreuzigung, die für Westfalen untypisch ist, läßt rheinischen, namentlich kölnischen Einfluß vermuten.


Darstellung "Martyrium der Zehntausend" und Apostelfries

Auf der Nordwand, an den Apostelfries anschließend, befindet sich die Darstellung des „Martyriums der Zehntausend". Dieses Bild wurde von der Übermalung befreit und erscheint daher blaß. Die Bilder sind durch das in der gotischen Malerei beliebte Ornament der Rahmenstreifen mit Vierpaßmustern verziert. Das Bild vom Martyrium zeigt die „zehntausend" christlich gewordenen Soldaten, die unter den Kaisern Hadrian und Antoninus nach der Legende auf dem Berge Ararat gekreuzigt wurden, und zwar in der Szene, die der Kreuzigung voranging. Hier werden sie mit spitzen Ästen durchbohrt. Die Märtyrer sind nur mit einem schmalen Lendentuch bekleidet. Zwei Henkersknechte sind dabei, die Märtyrer tiefer in die Pfähle zu treiben. In der oberen Bildhälfte hält links eine Reitergruppe mit prächtig aufgezäumten Pferden - der Kaiser und sein Gefolge. Sie schauen von der Bergeshöhe, von der die Verurteilten herabgeworfen wurden, dem makabren Treiben zu. Wer genau hinsieht, entdeckt, daß einem Pferd ein Hinterbein als Vorderbein gemalt wurde. Der Anführer des hl. Märtyrerchores war Achatius, der zu den Nothelfern zählt. Auf dem Bilde ist er unbekleidet, nur durch seine Bischofsmitra gekennzeichnet. Dieses Wandgemälde geht sicherlich auch auf rheinische Vorbilder des 14. Jahrhunderts zurück.
Die Kapelle wurde in den Jahren 1992 und 1993 von Grund auf renoviert. Dabei wurde auch das Fresko neu restauriert. Das Fresko wurde gereinigt und die dunkel übermalten Apostel wurden überpudert, damit das Bild gleichmäßiger wird. Bei der Übermalung im Jahre 1926 wurde Ölfarbe verwendet, die sich heute nicht mehr entfernen läßt.
Bei der Gesamtrenovierung bekam die Kapelle eine neue Ölheizung, einen neuen Fußboden und neue Lampen, einen Windfang im Eingang und nagelneue Kirchenfenster.

Die Kirchenfenster

Im November 1991 bekam der Künstler Nikolaus Bette aus Essen, den Auftrag, Gleichnisse Jesu, die landwirtschaftliche Bezüge haben, in bleiverglaste Kirchenfenster umzusetzen.
Ungefähr ein Jahr später lagen die Entwürfe für 14 Fenster vor, die nach Begutachtung durch die Kunstkommision des Erzbischöflichen Generalvikariates durch die Glasmalerei Derix, Kevelaer, ausgeführt und im September 1993 in der Kapelle installiert wurden.
Ergänzend zu diesen thematischen Fenstern wurden noch Fenster aus der Tier- und Pflanzenwelt dargestellt.

Der Besucher der kleinen Kirche wird, wenn er die Kapelle betritt, von Christus, als dem guten Hirten „begrüßt". Das Neue Testament kennt mehrere Geschichten vom guten Hirten Hier ist die Passage ins Bild gesetzt, in der Christus sich selbst „die Tür zu den Schafen" nennt (Joh 10, 7-10). Der Hirt steht in einem Türrahmen, die Schafe zu seinen Füßen, eines auf der Schulter tragend. Sein Blick weist dem Betrachter den Weg in die optische, wie spirituelle Mitte der Kirche, das Kreuz und den Altar. Über dem Kopf des guten Hirten ist der wiederkommende Christus als Pantokrator, Herrscher der Welt, auf einem Regenbogen sitzend und von Engeln umgehen, angedeutet, ein Hinweis auf das Ziel des Glaubens.

Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13, 24-30)
Das Gleichnis liegt auf der gleichen Linie. Jesus macht hier Mut, beides wachsen zu lassen bis zur Ernte. Die aber werden die Engel besorgen, ebenso die Unterscheidung zwischen gut und böse. Das Unkraut/Böse und seine Übermächtigkeit ist im Fenster angedeutet durch ein riesiges Efeublatt. Der einzige Getreidehalm/das Gute fristet hier ein eher spärliches, bedrohtes Dasein. Auch die Ernte ist schon angedeutet, hier in der Sichel im Rundbogen des Fensters. Die rote Scheibe läßt den Betrachter über das Schicksal des Bösen nicht im Zweifel.

Gleichnis vom Fischernetz (Mt 13, 47-50)
In diesem Gleichnis beschreibt Jesus, wie sich in einem Fischernetz alles sammelt, Gutes und Schlechtes. Wiederum erfahren wir, daß es Sache der Engel ist, zu sortieren. Das Netz als Bild von der Kirche, in der sich alles sammelt, wo keiner ausgeschlossen werden darf, in der die Person, das Ansehen, das Geschlecht, das Einkommen und erst Recht nicht die Rasse, die Herkunft, die Hautfarbe, die Sprache keine Rolle spielen dürfen, ja nicht einmal gut und böse, ist abermals zur Gewissenserforschung geeignet. Im Fenster wird das Netz sozusagen gerade gehoben und somit die Endzeit angedeutet. Dies ist auch höchste Zeit, denn das Netz hängt nur noch an zwei Fäden und kann jederzeit abreißen.

Gleichnis vom Sämann (Mt 13, 1-9)
Jesus erzählt hier von einem Bauern bei der Feldarbeit. Der Erfolg seines Unternehmens hängt von der Bodenqualität ab, Weg, Felsen, tiefes Erdreich. Das Fenster zeigt den Sämann konzentriert bei der Arbeit. Gegen die hoch stehende Sonne hat er sich mit einem breiten Hut geschützt. Dennoch wird ein Teil der Saat versengt. Auch der zweite Gegner kommt von oben in Gestalt von drei Vögeln, die sich sozusagen im Sturzflug auf die Saat werfen, die auf den Weg gefallen ist. Damit korrespondiert der Feind „von unten", Dornen, die die Saat ersticken. Trotz dieser Widrigkeiten ist das Unternehmen erfolgreich, weil ein Teil der Saat aufgeht und xfache Frucht bringt, im Fenster abstrakt dargestellt in dünnen bunten, paralell liegenden Strichen, Halmen gleich. Gleichnis wie Fenster wollen dem Betrachter Mut machen bei der Verkündigung bzw. bei der gläubigen Annahme der Frohen Botschaft.

Gleichnis vom Senfkorn (Mt 13, 31-32)
Eine besonders schöne Geschichte Jesu ist das Gleichnis vom Senfkorn. Sie lehrt uns, das Kleine nicht zu unterschätzen. Ein Blick auf unsere Kinder, ihre Möglichkeit der Einflußnahme, ihr Stellenwert in der Familie und der Gesellschaft, belegt dies, allen Unkenrufen zum Trotz. Im Fenster ist das kleine Senfkorn und der daraus wachsende Baum eindeutig zu erkennen. Zwei mächtige Falken sitzen in einem Nest in seiner Krone. Der Baum ist so groß, daß er den Rahmen des Fensters sprengen möchte. In diesem Fenster hat sich der Künstler durch die Falken selbst verewigt, da er ein Hobby-Falkner ist.

Gleichnis vom „Verlorenen Schaf" (Lk 15, 3-7)
Das Schaf, das Christus auf seinen Schultern, in den Stall trägt, mag vielleicht, das berühmte Verlorene sein.
Dieses Schaf hatte sich bekanntlich von der Herde getrennt und danach verlaufen. Der Künstler hat es in die Mitte eines Labyrinthes gesetzt, seine dramatische Situation durch den roten Hintergrund (Feuer, Hölle) unterstreichend. Der gute Hirt verläßt gerade die 99 zu Hause gebliebenen Tiere und macht sich auf den Weg in das Labyrinth.

Gleichnis vom Schatz im Acker (Mt 13, 44-46)
Kindern insbesondere ist auch dieses Gleichnis leicht eingängig. Wenn ich etwas für wertvoll erkannt habe, wenn ich etwas unbedingt haben möchte, dann bin ich bereit zu sehr großen Engagement. Der Schatz schlechthin ist eigentlich unsere Erlösung, unser Glaube. Von daher kann das entsprechende Fenster Anlaß zur Gewissenserforschung sein. Welchen Stellenwert hat der Glaube, mein Christsein eigentlich in meinem Leben? Im Fenster ist der Schatz im unteren Viertel dargestellt; er liegt noch unter der Erde, ist noch nicht gehoben, aber bereits entdeckt, wie dem Betrachter bei näherem Hinschauen auffallen wird, denn da ist schon ein Spalt, vielleicht eine Grabungsstelle zu sehen. Die obere Hälfte des Bildes zeigt die Paralellgeschichte, den Kaufmann, der eine besonders wertvolle Perle entdeckte und alles daran gab, diese Perle zu besitzen.

Osterfenster
Das die Wiederkunft Christi vom Osten her erfolgt, ist eine uralte Vorstellung in der Kirche. Von daher wurden in früheren Tagen alle Kirchen geostet, d.h. mit dem Chorraum gen Osten gebaut, so auch die Lucia-Kapelle in Altenaffeln. Ihr Chorfenster hat Nikolaus Bette bereits 1990 entworfen. Es zeigt das himmlische Jerusalem, wie es in Offb 21, 9- 22, 5 beschrieben ist. Zu sehen und beschrieben ist eine Stadt mit 12 Toren, die Straßen aus Kristall, die Mauern aus Jaspis, und reines Gold sowie reines Glas als weitere Baumaterialien. Die Stadt hat keine Kirche, keinen Tempel. Ihr Mittelpunkt ist Gott selbst, als Siegeslamm dargestellt. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond; ihre Lichtquelle ist Gott, beschreibt die Bibel. Im Fenster ist diese Passage im Hintergrund des Siegeslammes, in gelben und roten Dreiecken abstrakt dargestellt.

In den beiden kleinen Rundfenstern sind einmal eine Igelfamilie und einmal eine Schlange dargestellt. Die Schlange symbolisiert das Böse. Der Igel hingegen läuft vor der Schlage nicht nur nicht davon, er nimmt sogar den Kampf mit ihr auf und besiegt sie.

Die Pflanzenwelt ist in den drei Fenstern auf der Orgelbühne zum Zuge gekommen.


Ein Fenster zeigt die Eiche.
Sie steht für die Tugend der Beständigkeit.

 
Ein weiteres Fenster stellt die Sonnenblume dar.
Sie gilt für die Hoffnung auf das Leben.


Das dritte Fenster zeigt die Stechpalme.
Sie steht für die Haltung der Buße.

Wenn der Besucher die Kapelle wieder verläßt, begleitet ihn die Schutzpatronin unserer Gemeinde, die hl. Lucia. Sie ist in dem Fenster über den Ausgang dargestellt. Die Lucia ist Lichtbringerin und wird als solche in Nordeuropa verehrt. Im Fenster trägt sie eine Kerze. Es ihr gleichzumachen, Lichtbringer zu sein, ist bleibende Aufgabe jedes Christen, selbst auf die Gefahr, dabei verlacht oder benachteiligt oder sogar bedroht und getötet zu werden. Lucia ist Märtyrerin, d.h. um des Glaubens willen getötet worden.

 

(c) 2009 ehemaliger Pastoralverbund "Oberes Hönnetal"