Die St. Lambertus Kirche - Affeln (Blick von der Hauptstraße)

Die Lambertuskirche liegt am nördlichen Rand der Freiheit genau dort, wo die Straße von Plettenberg auf die Affelner Hauptstraße stößt. Durch das nach Norden hinabfallende Gelände ist sie weithin in der Landschaft sichtbar.


Grundriß der St. Lambertus Kirche 

An der Stelle, wo sich heute die schlichte, aber doch imponierende Hallenkirche des 13. Jahrhunderts erhebt, haben bereits ältere Vorgängerbauten gestanden. Anläßlich einer Gesamtinstandsetzung der Kirche in den Jahren 1968 bis 1973 wurden bei einer Fußbodenabsenkung die Reste von zwei älteren Bauphasen entdeckt. Die Jüngere von ihnen, eine Saalkirche mit Apsis und Querarmen, darf man wohl ins 12. Jahrhundert datieren. Die bestehende, aus heimischen Bruchsteinen gemauerte Kirche ist eine dreischiffige Halle in für das Sauerland typischen Formen. Dem Chorquadrat schließt sich nach Osten eine halbrunde Apsis an. Bemerkenswert ist die Art, in welcher der Hauptchor von Nebenapsiden begleitet wird. Als leicht eingezogene Verlängerung der Seitenschiffe gleichen sie der Form des Hauptchores mit kleineren Maßen. Dabei liegen ihre ebenfalls runden Nischenapsiden in außen plattschließenden Wänden.

Der Westwand vorgelagert ist ein im Grundriß quadratischer Turm mit erheblich dickeren Mauern, der das Schiff mit einem Geschoß überragt. In seinen paarig angelegten Schallöchern sind die Zwischensäulehen nicht mehr vorhanden. Sie wurden offensichtlich beim großen Brand im Jahre 1814 zusammen mit dem hohen Turmhelm zerstört. Der Turm trägt seitdem eine Welsche Haube, jetzt mit einem Kupferdach. Die Schiffe liegen unter einem einheitlichen Satteldach, dem sich das etwas niedriger liegende Satteldach des Chorjochs anschließt. Sein First trägt einen Dachreiter, der in kleineren Abmessungen der Bekrönung des Westturmes angeglichen ist. An die Ostwand des Chorjochs lehnt sich das vieleckige Zeltdach der Apsis an. Die Nebenchöre schmiegen sich mit Pultdächern in den Winkel von Seitenschiff und Chorjoch.

Im Langhaus sind die Fenster rundbogig; Rundfenster zeichnen die Nebenchöre und die Seitenschiffe in ihren Ostwänden aus. Spätere Anbauten sind die Sakristei an der Nordseite des Chores und die Vorhalle am Südportal, im Affelner Volksmund als Leichenhäuschen bezeichnet, weil hier früher die Toten aufgebahrt worden sind.

Auf der Nordseite des Kirchenschiffes gelang bei der Restaurierung die Wiederöffnung eines zwischenzeitlich aufgegebenen Zugangs. Dabei fanden sich in der Schwelle Fragmente des zu diesem Portal gehörigen, auffallenderweise doppelseitig gestalteten Tympanons mit figürlichen Reliefs. Die eine Seite zeigte Christus in der Mandorla, die andere das Lamm Gottes mit den knienden Gestalten eines Engels und eines Bischofs; wahrscheinlich der Kirchenpatron St. Lambertus. Von der am besten erhaltenen Fläche mit dem Agnus Dei wurde nach Ergänzungen ein Abguß hergestellt und in das Portal eingebaut, das von einer Holztür mit der Jahreszahl 1713 verschlossen wird. DiePortalsäulen fehlen. Ein Kapitell zeigt eine Blattmaske.

Tympanon am Südportal

Das Südportal, dessen Säulen mit Pflanzen- und Kopfkapitellen bereits in früherer Zeit erneuert worden sind, besitzt ein spätromanisches Tympanon in schlichter Formgebung. Dargestellt ist im linken Bildteil die Geburt Jesu mit Maria, die unter einem Laken ruht, und Joseph mit einem spitzen Judenhut, der neben dem in der Krippe liegenden Jesuskind auf einem Stuhl sitzt und in der Rechten einen Stab hält. Über der Krippe sieht man die Köpfe von Ochs und Esel. Im Mittelfeld ist der Gekreuzigte dargestellt. Er hat das Haupt leicht nach rechts geneigt und die Füße übereinandergestellt. Der Querbalken des Kreuzes überragt betont den Bildrand links und rechts. Zu Seiten des Kreuzes stehen Maria und der Jünger Johannes.

Im rechten Bildfeld sehen wir die drei Frauen mit Spezereigefäßen am Grabe Jesu, vor dem ein Engel kniet. Er deutet auf das leere Grab. Die eigenartigen Kopfbedeckungen der Figuren hatten Ludorff und in der Nachfolge Dehio zu der Annahme veranlaßt, dies seien die drei Könige aus dem Morgenland. Es handelt sieh jedoch um eine grobere Darstellungsweise von Kopfgebänden, wie wir Sie etwa von den Naumburger Stifterfrauen Reglindis und Uta kennen. Diese Art Tympana gibt die Hauptbegebenheiten der Heilsgeschichte Christi, die Geburt, den Kreuzestod und die Auferstehung wieder. Angesichts von Form und Ausdruck möchte man dieses Tympanon zeitlich etwa um 1250 einordnen.
Damit haben wir möglicherweise auch einen Anhaltspunkt für die Datierung des Kirchenbaus, der wohl in das 2. Viertel des 13. Jahrhunderts anzusetzen ist. Entgegen Dehio ist jenes Tympanon, das inhaltlich eine enge Verwandtschaft mit dem in Balve zeigt, keine Kopie, sondern ein bei der Renovierung des gesamten Portals überarbeitetes Original. Es steht dem Südportaltympanon von Plettenberg sehr nahe. Vorbild für alle diese sauerländischen Dreiszenen-Tympana dürfte das schöne Tympanon vom Südportal der Kirche Maria zur Höhe (Hohnekirche) in Soest sein.


Das Innere


Inneres der St. Lambertus Kirche - Blick nach Westen

Pfeiler scheiden das Innere in drei Schiffe und drei Joche. wobei ins Auge fällt, daß sich das Mittelschiff auf Kosten der halb so breiten Seitenschiffe vom Turm zum Chorjoch hin deutlich verbreitert. Die Kreuzgratgewölbe des Mittelschiffs verlaufen kämpferlos in die Pfeiler. Diesen sind dreiseitig halbrunde Vorlagen mit ausgekerbten Knollenkapitellen aufgelegt, die die kräfti-gen, leicht gespitzten Gurt- und Scheidbögen tragen. In den im Verhältnis zum Mittelschiff halb so breiten Seitenschiffen, die einhüftig gratgewölbt sind, befinden sich die Gurte fortlaufend an Pfeilern und Außenwänden.
Durch die Pfeilerart weist sich diese querschifflose Halle als zum Südsauerländer bzw. Siegerländer Typ gehörig aus.
Bei der Restaurierung 1970/71 entdeckte man eine reiche spätromanische Ausmalung. Während man die figürliche Ausmalung in ihrem Freilegungszustand beließ, entschloß man sich zur Ergänzung der ornamentalen Befunde, um das architektonische Ausmalungskonzept wieder deutlich zu machen. Dabei hat man auch die Sohlbänke der Langhausfenster nach Befund wieder auf die originale Höhe gebracht. Die Fenster werden von gemalten Säulchen gerahmt, die auf einem Ornamentfries stehen und gequaderte Bögen tragen.
Die Kreuzgratgewölbe des Chorjochs und des östlichen Mittelschiffjoches haben aufgemalte Rippen. Im mittleren Joch des Mittelschiffs sind die gemalten Gratbänder zusätzlich mit Schaftringen ausgestattet. In den Seitenschiffen und in den beiden östlichen Mittelschiffjochen zeigen die Gewölbe Lebensbaumdarstellungen, die z. T. von einem Linien- und Kreissystem umschrieben werden.

Aus dem 2. Viertel des 14. Jahrhunderts stammt das Bild der Anbetung der HI. Drei Könige an der Ostwand des nördlichen Seitenschiffes über dem Bogen des Nebenchors, vielleicht ein zusätzlicher Hinweis darauf, daß früher die Kirche in Affeln zur Erzdiözese Köln gehörte. Aus derselben Zeit stammen die Reste einer Apostelfolge an den Chorwänden. Zu erkennen sind noch die Gestalten des hl. Petrus mit dem großen Schlüssel in der Hand und Andreas mit seinem Kreuz im Apsisrund sowie an der Südwand des Chores der hl. Jakobus mit dem Pilgerhut. Außerdem sehen wir im Eingangsbogen des südlichen Seitenchores Christus mit Pilatus, die Geißelung, die Kreuztragung und im Scheitel Christus in der Mandorla.
Der gemalte Schlußstein im Chorjoch gibt das Lamm Gottes wieder. Von den ur-sprünglichen Evangelistensymbolen ist hier nur noch ein spärlicher Rest vorhanden. In der Apsiswölbung dagegen ist die Darstellung des Weltenrichters in der Mandorla deutlich zu erkennen. Im Gewölbe des Westjoches befindet sich, allerdings erst aus spätgotischer Zeit, im Gewölbescheitel ein Rankenwerk mit Kompositblüten in schräggeschachtelt gemalten Gewölberippen.

An der Westwand zum Turm konnte beim Ausbau der Orgel eine von gemalten Säulchen flankierte rundbogige Doppelarkade wiederhergestellt werden. Diese beiden Bogenöffnungen erschließen das erste Turmobergeschoß zum Kirchenschiff hin. Möglicherweise diente dieser Turmraum dem adeligen Patronatsherrn als Aufenthaltsort während des Gottesdienstes. Diese Anordnung einer Kirchenempore gewissermaßen als Herrscherloge hat letztlich ihre Wurzeln in der Architekturform des Westwerks, wie es Westfalen in Corvey noch beispielhaft besitzt. Zu Seiten der beiden Bogenöffnungen sind Kain und Abel als Opfernde zu sehen.
Das barocke Orgelgehäuse von 1715 wurde unter Fortfall der Empore in die Turmhalle versetzt. Damit verbunden war die Schließung des ohnehin nicht ursprünglichen Westportals. [Anmerkung: Bei der Renovierung im Jahr 1997 wurde jedoch die Empore für die Orgel wieder errichtet, so daß auch das Westportal geöffnet wurde.]


Altarraum

Die Ausstattung

Der offene Affelner Altar

Durch die letzte Restaurierung hat nicht nur die baukünstlerische Gestalt der Kirche eine erhebliche Steigerung erfahren; auch ihre beachtenswerte Ausstattung wurde durch sie spürbar aufgewertet. Insbesondere gilt dies für den spätgotischen Antwerpener Altar im hohen Chor.

Sie können auf Teile des Altars klicken, um sie zu vergrößern!

 

 Der Altar hat zum Inhalt Szenen aus dem Leben Christi, Mariens und des hl. Lambertus. Brand- und Hohleisenzeichen, Symbole des Antwerpener Stadtwappens, weisen ihn als Werk der Lukasgilde aus, das in die Zeit um 1525 gehört. Mit seiner Breite von 5,54 m füllt er den Chor wirkungsvoll aus. Um ihn besser zur Geltung zu bringen, wurden die beiden Fenster des Chorjochs vergrößert und mit schlichtem spätgotischem Maßwerk ausgefüllt. Bis zur jüngsten Restaurierung stand der Altarschrein auf einem barocken Untersatz mit Tabernakel aus dem 17. Jahrhundert. Nach dessen Entfernung ragt er nun wieder unmittelbar von dem Altar auf und hat dadurch seine ursprünglichen Proportionen wiedererlangt.
ie geschnitzten Mittelschreine mit ihren vergoldeten und farbig bemalten Figurenszenen unten in der Mitte der Predella zeigen den auferstandenen Schmerzensmann, der die Rechte in seine Seitenwunde legt und die Linke emporhält, um die Handwunde zu zeigen. Ihm zu Füßen halten zwei Engel in Levitengewändern einen Kelch, über dem die Hostie schwebt. Dieses Bild ist ein Symbol der Eucharistie. In Beziehung zu diesem Mittelbilde müssen wir auch links davon, auf der Evangelienseite, das Abendmahlsbild und rechts, auf der Epistelseite, das Bild des brotbrechenden Christus bei den Emmausjüngern sehen. Die Brote, Kelche und Fische auf dem Tisch weisen ebenfalls auf die Eucharistie hin. Im Rahmen um diese Szenen sind mehrere kleine figürliche Reliefs angebracht. Allerdings fehlt heute in der Mitte über dem Abendmahlsbild die Szene „Jesus bei der Samariterin am Brunnen" Sie wurde ebenso wie die Figur eines Dieners links neben der Abendmahlsszene entwendet.
Über dem Abendmahl links sehen wir die Versuchung Jesu und die Fußwaschung, rechts über dem Bild mit den Emmausjüngern befindet sich Jesu Einzug in Jerusalem, die Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel und die Erweckung des Lazarus. Vier kleine gemalte Medaillons in den oberen Ecken stellen von links nach rechts die Erschaffung Adams und Evas, den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies dar.
Die Mitte des Altaraufsatzes bilden zwei große Bildschreine. Unten ist die Kreuztragung Jesu mit einer weinenden Frau, der hl. Veronika mit dem Schweißtuch, der Mutter Gottes, dem Jünger Johannes und mit Simon von Cyrene sowie den Henkersknechten, die Jesus und die Schächer zur Richtstätte führen, zu sehen. Das Hauptbild oben in der Mitte zeigt die Kreuzigung Christi. Der Gekreuzigte ist umgeben von zwei schwebenden, betenden Engeln. Daneben hängen mit verzerrten Gliedern die beiden Schächer. An der Seele des unbußfertigen Schächers rechts, die als kleine Menschenfigur gestaltet und dem Mund entwichen ist, zerrt ein Teufelchen. Die Seele des reuigen Schächers links trägt dagegen ein Engel zum Himmel empor. Neben dem Kreuz sitzt links auf einem Pferde der legendäre Kriegsknecht Longinus mit der Lanze, daneben ebenfalls beritten in hochmütiger Gebärde der Hohepriester mit Gefolge und dahinter rechts, mit der Hand nach oben weisend, der Hauptmann.
Zu Füßen des Gekreuzigten bemühen sich im Vordergrund um die ohnmächtige Gottesmutter der Jünger Johannes und heilige Frauen. In der Mitte unter dem Kreuz sieht man, prächtig gewandet, Maria Magdalena mit dem Rücken zum Beschauer, die Hände und Arme ausgebreitet anbetend zum Gekreuzigten erhoben. Über dem Kreuz ist unter einem Baldachin die Krönung Mariens durch Gottvater und Christus dargestellt. In den Rahmenkehlen des Kreuzigungsbildes begleiten links und rechts auf fein geschnitzten Konsolen, die gleichzeitig auch als Baldachine dienen, das Hauptgeschehen des Mittelbildes Szenen der Leidensgeschichte Jesu, die Dornenkrönung, Christus vor Pilatus, die Kreuzabnahme und die Grablegung. Den Altar bekrönt eine von Strahlen umgebene Rosenkranzmadonna mit vier Wundmalen Christi in aufgesetzten Wappenschilden. Der fünfte Wappenschild oben mit der Herzwunde ist nicht mehr vorhanden.
In den großen Seitenschreinen stehen links Maria mit dem Kind auf dem rechten Arm und einer Traube in der linken Hand, Symbol des Blutes im Hinblick auf Christi Kreuzestod, rechts der Kirchenpatron, der hl. Bischof Lambertus, der um 638 geboren und um 705 ermordet wurde. Zu seinen Füßen liegt ein Geharnischter, wahrscheinlich sein gestürzter Widersacher, der fränkische Majordomus Ebroin. Lambertus trägt ein aufgeschlagenes Buch in der Linken. Die Rechte hält den Bischofsstab. Dieser Bildtypus in der Plastik und Malerei am Affelner Altar ist sicherlich beeinflußt von der kostbaren Büste des hl. Lambertus in Lüttich aus dem Jahre 1512. Auf den Sockeln dieser Statuen steht: ,,Sancta Maria bzw. Sancte Lamberte, ora pro nobis". In den Rahmenkehlen der Seitenschreine sehen wir auf kleinen Sockelpfeilern und Baldachinkonsolen Szenen aus dem Leben Mariens und des hl. Lambertus.
Die Statuen selbst stehen unter fein geschnitzten Baldachinen. Unter dem Bildschrein der Madonna ist mit bewegter Dramatik die Versuchung des hl. Einsiedlers Antonius durch Teufelsdämonen wiedergegeben, im Vordergrund das Ferkel, das nach der Legende durch Antonius wunderbar vom Rotlauf geheilt wurde. Dieser Heilige genoß vor allem in ländlichen Gegenden als Helfer gegen Seuchen große Verehrung. Unter dem hl. Lambertus steht mitten zwischen einem bislang noch nicht identifizierten Stifterpaar der hl. Diakon Vincentius von Saragossa mit Stab und Buch. Im Hintergrund ist u. a. rechts seine Geißelung, wie sie für ihn ikonographisch typisch ist, dargestellt.
Die Altarflügelgemälde an der Predella zeigen auf der Innenseite mit hinweisendem Bezug auf das geschnitzte Abendmahlsbild das Opfer des Melchisedech und den Mannaregen. Auf der rechten Seite sehen wir Christus am Ölberg und die Gefangennahme Jesu. Auf den linken oberen Flügeln sind auf der Innenseite Szenen des Marienlebens dargestellt, und zwar von oben nach unten: Christi Geburt, die Beschneidung, die Anbetung der drei Könige. Auf den inneren Bildfeldern von unten nach oben sehen wir den Tod Mariens und ihre Aufnahme in den Himmel.
Die rechten Flügel bringen in bewegten Formen Begebenheiten aus dem Leben des Kirchenpatrons Lambertus, und zwar von oben nach unten in der Reihenfolge der Innenseite beginnend: Lamberti Bischofsweihe, die Weigerung der Kelchsegnung beim Mahl seines fürstlichen Herrn, des Ehebrechers Pipin von Heristal mit seiner Geliebten Alpais, ferner die Vertreibung des hl. Lambertus aus dem mit dem Stadtwappen geschmückten Tor seiner Bischofsstadt Maastricht sowie seine Ermordung und das Gemetzel danach mit Dämonen in den Lüften auf den äußeren Bildern. Diese Darstellungen der Lambertus-Geschichte sind die vollständigsten aus der damaligen Zeit in Deutschland.

Der geschlossene Affelner Altar

Im geschlossenen Zustand zeigen die gemalten Flügel der Predella in der Mitte vor einer Architektur zwei Engel mit Rauchfaß und sog. Sanctus-Kerze. In den äußeren Bildtafeln erscheint an der Evangelienseite ein Mann in zeitgenössischer Tracht (Moses?) mit einem Spruchband: „Iste est panis, quem dominus dedit vobis ad vescendum. Exodi 16". (Dieses ist das Brot, welches der Herr euch zur Speise gegeben hat.) (2. Mos. 16, 15) Ihm entspricht auf der Epistelseite ein bärtiger Mann (Johannes Ev.?) mit dem Spruch: „Hic est panis, qui de celo descendit". (Dieses ist das Brot, das vom Himmel herabgestiegen ist.) (Joh. 6,50) Wenn an diesem Altar früher die Messe zelebriert wurde, stand der Kelch bei geschlossenem Altar zwischen den gemalten Engeln, bei geöffnetem Altar vor dem plastischen eucharistischen Schmerzensmann. 
Während auf den Bildern der Altarinnenseite vielfigürliche Szenen dargestellt sind, geben die insgesamt bescheideneren Außenseiten Bilder einzelner Gestalten wieder.
Zugeklappt zeigt der Altar in der mittleren Zone von links nach rechts den hl. König Olaf II. (1015-1030), den Nationalheiligen Norwegens, den hl. Bischof Lambertus mit einem geistlichen Stifter, dessen Spruchband ein Fürbittgebet zum Heiligen trägt. Über dem hl. Lambertus befindet sich das Wappen der norwegischen Stadt Bergen, umgeben von Engelsputten und Zierat in Renaissance-Manier, wie sie hier überhaupt charakterisch für die Außenseite der Altarflügel ist. Im rechten Bildfeld der Altarmitte ist die Mutter Anna mit Maria und dem Jesuskind (sog. Anna-Selbdritt) in einer familiären Szene dargestellt. Das Wappen über diesem Bild ist wahrscheinlich das Stifterwappen.
Rechts daneben befindet sich die hl. Lucia, kenntlich an dem Schwert, das ihren Hals durchbohrt. Anna und Lucia waren damals beliebte Volksheilige. Das Bildpaar an der Spitze des Altars gibt links den hl. Servatius, den Kirchenpatron von Maastricht, mit der für ihn typischen Brille wieder. Ihm gegenüber behütet die hl. Ursula mit dem Martyriumspfeil in der Hand ihre Gefährtinnen wie eine Schutzmantelmadonna.

Weitere Informationen zum Altar

Von den Figuren gibt der hl. Olaf, der in unserer Gegend nicht verehrt wurde, die meisten Rätsel auf. Außer dem Ziborium in seiner Linken sind ihm Attribute beigegeben, wie Hellebarde bzw. Streitaxt und ein menschenköpfiges Drachenwesen unter seinen Füßen. Sie deuten vielleicht auf den Streithammer des nordgermanischen Gottes Thor und die ihm zugeordnete Midgardschlange hin. In christlicher Zeit hat der hl. König Olaf beim norwegischen Volk offenbar die gleiche Verehrung wie einstmals der heidnische Donnergott erfahren. Das Drachenwesen wurde zum Symbol des überwundenen Heidentums.
Man hat aus der Gestalt des hl. Olaf und dem Stadtwappen von Bergen die Theorie entwickelt, daß dieser Altar in Antwerpen ursprünglich für Norwegen gearbeitet worden sei. Wegen der 1526 in Bergen aber einsetzenden Reformation und auch wegen des typisch katholischen Abendmahlssymbols des Schmerzensmannes, der Spruchbänder in den Seitenbildern und der für katholische Frömmigkeit bezeichnenden Rosenkranzmadonna sei der Altar in der Reformationszeit in Antwerpen stehengeblieben. Er sei dann, zumal die Maße des Altares und der Kirchenpatron Lambertus in die Affelner Kirche paßten, von einem oder mehreren Stiftern für Affeln zu einem durch die Umstände herbeigeführten günstigen Preis erworben worden.
Es wäre denkbar, daß der geistliche Stifter im Bild des Lambertus auf der Außenseite des linken Altarflügels der ursprüngliche Stifter aus Bergen und das geschnitzte Stifterpaar beim hl. Diakon unter der Statue des Kirchenpatrons im rechten Altarschrein das Affelner Stifterpaar ist. Dann wäre hier ein kleines Bild in der Werkstatt ausgewechselt worden und der hl. Diakon Vincentius der Namenspatron des Mannes. Den geistlichen Stifter hat man, wenn diese Hypothese stimmt, im Bild belassen. Er könnte ein Anhänger der Reformation geworden sein und aus persönlichen Glaubensgründen die Annahme des Altares wegen der typisch katholischen Sakraments- und Rosenkranzsymbolik verweigert haben.
Kunsthistorisch steht der Affelner Altar zwischen dem Altar von St. Johannes in Osnabrück und dem Erasmusaltar zu Zülpich. Von diesem und anderen Antwerpener Altären im Rheinland erzählt man sich, daß ihre Annahme in England wegen der Reformationswirren dort verweigert worden sei. Andererseits aber befindet sich in Ringsaker in Norwegen als Pfarrerstiftung aus der Zeit noch um 1535 ein dem Affelner und dem Zülpicher verwandter Altar mit dem Bild des hl. Olaf und des Schmerzensmannes.

Weitere Ausstattung

Sakramentsnische

Auf der Evangelienseite des Altares (Sakrament und Evangelium gehören zusammen), an der Nahtstelle zwischen nordöstlicher Chorwand und Apsis, ist in das Mauerwerk eine spätgotische Sakramentsnische eingetieft. Den vergitterten und mit einem Querriegel gesicherten Schrank bekrönt ein vorgeblendeter Maßwerkwimperg mit Krabbenbesatz und aufgesetzter Kreuzblume. Zwei Engel mit Weihrauchfässern und Spruchbändern rahmen die Nische. Die obere Zone zeigt eine Kreuzigungsgruppe, flankiert von vier hl. Bischöfen. Ein Zinnenkranz als oberer Abschluß will Sinnbild für das himmlische Jerusalem sein.

Kruzifix aus der Zeit vor 1200

Von der älteren Ausstattung hat sich die Kirche noch einige beachtenswerte Einzelstücke bewahrt. Dazu zählt namentlich im nördlichen Seitenchor ein Kruzifix mit hölzernem Korpus, das als Viernageltyp noch vor 1200 entstanden sein dürfte. Daneben existieren noch zwei weitere Kreuzigungen aus gotischer und barocker Zeit. Insbesondere dem Wirken des früheren Pfarrers Anton Gödde, dessen Namen zweifach die lateinischen Chronostikon-Inschriften des Orgelprospektes erwähnen, verdankt der Innenraum mehrere barocke Kunstwerke. Von ihnen prägt der von Johann Wirler 1715 geschaffene Orgelprospekt mit Schnitzereien des berühmten Peter Sasse aus Attendorn den Innenraum besonders stark. Bedauerlich ist die Entfernung der reichgeschnitzten Kanzel, die bis zur Restaurierung am linken Triumphbogenpfeiler gestanden hat.
Auch die frühbarocken Kirchenbänke sind durch die Restaurierung gründlich umgestaltet worden. Der das Raumbild verändernde Verzicht auf den Mittelgang durch die Schaffung eines Bankblockes, der auch dazu dienen sollte, die Pfeilerfüße freizustellen, zwang zu einer Umarbeitung des Gestühls unter Bewahrung der Wangen. Die jetzigen frühbarocken Frontstücke dienten einst als Chorgestühl und zeichnen sich durch eine sitzweise Füllung mit Intarsienornamenten zwischen einer Pilastergliederung aus und haben im Detail noch zahlreiche Renaissanceelemente. [Anmerkung: Heute ist der Mittelgang wieder vorhanden.]

Der barocke Taufstein

Durch seine ungewöhnliche Formgebung fällt der barocke Taufstein auf. In einem kunstvoll geschmiedeten dreifüßigen Eisenständer ruht ein Marmorbecken mit Fratzenhenkeln.

Das spätbarocke Vesperbild

In die Zeit des Spätbarocks gehört weiter ein Vesperbild in einer nicht oft anzutreffenden Kompositionsweise. Die Gottesmutter sitzt nicht, wie meist üblich, sondern lehnt den Leichnam kniend auf ihr hochgestelltes rechtes Bein. Diese Komposition ist dadurch mitbedingt, daß hier offenbar antikhellenistische Vorlagen zugrunde lagen.
Aus dem frühen 18. Jh. stammt das große Bild an der Westwand des südlichen Seitenschiffes, dessen Maler wir nicht kennen, das aber dem Altarbild des J. M. Pictorius (1718) in Rheder gleicht. Es zeigt die Heilige Familie in einer weiten Landschaft. Jesus wird links von Maria und rechts von Josef begleitet. Eine lateinische Inschrift über dem Kopf des Kindes „Surge et accipe puerum et matrem eius et fuge in Aegyptum. Matth. 2, 13" (Steh’ auf, nimm das Kind und seine Mutter und fliehe nach Ägypten!) nennt als Hauptthema die Flucht nach Ägypten. Durch die Wiedergabe der Taube und des von schwebenden Engeln getragenen Gottvater wird zugleich die hl. Dreifaltigkeit in den Bildinhalt einbezogen („Irdische und himmlische Trinität").
Den Kreuzweg an den Wänden gestaltete 1953 Liese Bellmann (Münster) mit Figuren, die sich dem Gesamtraum einordnen. Im Jahre 1952 hat Ludwig Baur aus Telgte in die Altarmensa ein Rundmosaik mit der Darstellung des apokalyptischen Lammes eingefügt. Hinter diesem Mosaik befinden sich die Altarreliquien im sog. Sepulcrum.